Wie leicht wir doch schweben

Fast hätte ich ihn gar nicht gesehen, den Mond. Gestern Abend. Rot, verschattet, zart verhüllt von Schleierwolken konnte ich ihn aber nach kurzer Zeit ausmachen. Wie ein fremder Planet sah er aus. Zusammen mit dem leuchtenden Mars wie eine Startrek-Kulisse.

Wie viel haben wir ihm zu verdanken! Unserem stillen und treuen Begleiter, unserer himmlischen Lampe mit liebem Gesicht.

Zwar wäre ein Leben auf der Erde auch ohne Mond denkbar, wie man inzwischen weiß, aber was wäre das für eine Enttäuschung. Die schönste und geduldigste Requisite romantischer Künstler, galaktisches Leucht-Obst für Verliebte und nicht zuletzt Gegenstand von Verschwörungstheorien – und ergo unterhaltsamer Videos auf Youtube. Ach, lieber Mond, wie habe ich Dich gern!

Die unterschiedlichsten Menschen scharen sich auf Balkons und betrachten das Naturschauspiel der vierstündigen Blutmondfinsternis (wenn man Anfang und Ende mitrechnet). Viele fotografieren, doch vermutlich erfolglos ohne Stativ. Manche blitzen, na ja. Selbst die besten Fotos können das Besondere nicht einfangen. Mein Lieblingsmoment ist, wenn die geheimnisvolle Kugel aus dem Halbschatten der Erde heraustritt und sich in seinem einzigartigen Glanz neu offenbart.

Wie klein die eigenen Probleme dann plötzlich sind, wenn man sich vergegenwärtigt: Der vorüberziehende Schatten sind wir, nein, die Erde – und wir so viel kleiner auf ihr, wie vergänglich.

Warum kann nicht die ganze Welt friedlich sein? Kindliche Fragen stellen sich mir.

Kaum zeigt sich unser Lieblingstrabant wieder im vollen Glanze und ist somit wieder ganz der alte, verlassen die Leute ihre Balkons, diffundieren in ihre Gemächer und der Alltag geht weiter. Das heißt die Nacht. Zeit ins Bett zu gehen.

Mal schauen wie lange. Ob ich heute etwa mondsüchtig bin und im Schlaf Flöte spiele? Mir wär ganz danach.

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