
Es gibt Orte, denen ein gewisser Zauber innewohnt, egal zu welcher Zeit und wie oft man sie aufsucht. So der Wald um die Elgersburg in Thüringen, die bereits im 10. Jahrhundert in der Chronik von Bonifatius erwähnt wird und noch heute über dem gleichnamigen Ort thront.
Der im 19. Jahrhundert sehr beliebte Luft- und Badekurort mit eigener Ritterschaft lockt heute nicht mehr so viele erlauchte Besucher an wie einst. Auch das Ferienwohnheim des „Freien Gewerkschaftsbunds“ FDGB aus DDR-Zeiten steht wie viele andere alte Gebäude leer. Es ist der Charme der vergangenen, leicht abgeblätterten, aber noch greifbaren Schönheit, der einen besonderen Reiz ausstrahlt.

Folgt man einer unauffälligen Seitenquerstraße über den Ortsausgang ins vernebelte Niemansland der hohen Fichten, kommt man an Quellen vorbei in ein Waldgebiet, das Johann Wolfgang von Goethe oft durchstreifte und das er sehr liebte. Diese Gegend ist in kaum einem Urlaubskatalog erfasst, sondern eher in den Wandererinnerungen mancher ostdeutscher Pilzsuchender und Rostbrätelliebhaber verankert, die auch heute noch gern kommen.



„Wenn Dein Corpus rebelliert,
Wenn’s Dich zwackt und zwiebelt –
Fliehe die Penaten schnell,
Siebenmeil’ngestiebelt.
Sag‘ der Werktagsfrohn Ade,
(Aber thu‘ es balde!)
Und dann hin nach Elgersburg,
Elgersburg im Walde!“
Diese Worte schrieb der Burgpoet Atz vom Rhyn (Schriftsteller Arthur Rehbein) im „Urkundenbuch der Elgersburger Ritterschaft“ auf typisch thüringische humorvoll-poetische Weise, wie man heute in der wiederaufgelegten „Chronik von Elgersburg“ von Dr. med. Wiedeburg (1901) gar ergötzlich nachlesen kann.
Die reine Gebirgsluft, die Vielzahl von Quellen und natürlich der Wald machten Elgersburg zu einem besonderen Luft- und Badekurort. In der Umgebung entdeckt man noch viele Spuren der damaligen Kurarzt-Elite. So ist der Piuttifelsen nach dem ärztlichen Leiter und „Badedirektor der Wasserheilanstalt“ aus den 1830er und 40er Jahren benannt, Dr. med. Hermann Piutti, die Marienquelle oberhalb von Manebach in der Nähe des Mönchhofs nach seiner Frau Maria.


Goethe freilich trafen die Kneippgäste im 19. Jahrhundert nicht mehr. Aber auch heute noch kann man – Dank der sehr guten Beschilderung – den Spuren des Geheimrats auf verschlungenen Wanderwegen folgen und frei nehmen von den vielfältigen Gebresten des Alltags, die die moderne Welt so mit sich bringt.
Fotos: Elke Pfeiffer (ep) und Birgit Pfeiffer (bp).