{"id":802,"date":"2014-08-22T18:59:38","date_gmt":"2014-08-22T18:59:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.insearchofthestone.msingi.de\/?p=802"},"modified":"2014-08-23T17:26:46","modified_gmt":"2014-08-23T17:26:46","slug":"entschudigung-ich-glaube-ihr-handy-ist-an","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.insearchofthestone.msingi.de\/?p=802","title":{"rendered":"Entschuldigung &#8211; ich glaube, Ihr Handy ist an."},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_804\" aria-describedby=\"caption-attachment-804\" style=\"width: 184px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-804\" src=\"http:\/\/www.insearchofthestone.msingi.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/2014-08-19_21-29-02_158_2-172x300.jpg\" alt=\"Verbotspiktogramm\" width=\"184\" height=\"320\" srcset=\"http:\/\/www.insearchofthestone.msingi.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/2014-08-19_21-29-02_158_2-172x300.jpg 172w, http:\/\/www.insearchofthestone.msingi.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/2014-08-19_21-29-02_158_2.jpg 288w\" sizes=\"(max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-804\" class=\"wp-caption-text\">Ein Relikt aus grauer Vorzeit &#8211; n\u00e4mlich von vor einigen Jahren: das Generalhandyverbots-Piktogramm in \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln. Genaugenommen muss man diesen Hinweisen entnehmen, dass Telefonieren in der Bahn unerw\u00fcnscht ist. Genau wie Pommes mit Ketchup essen oder Rauchen.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wenn ich heutzutage mit der Regionalbahn fahre, f\u00e4llt mir doch auf, dass es kaum noch jemanden gibt, der Zeitung liest. Ich meine eine Zeitung aus Papier. Umsomehr ist man von Leuten umgeben &#8211; \u00dcberaschung! &#8211; die leise oder laut telefonieren, simsen, auf dem Smartphone die Neuigkeiten des Tages verfolgen, <em>whatsappen<\/em>, daddeln, Apps ausprobieren oder mit albernen jugendlichen Mitfahrern unter Jubelrufen irgendwelche Fotos anschauen und vergleichen. Je nach Tageszeit und Strecke gibt es kaum jemanden, der nicht zumindest zeitweise ein Mobiltelefon oder anderes mobiles Endger\u00e4t, wie man so sch\u00f6n sagt, in der Hand h\u00e4lt, um &#8211; zum Teil aus dem Sekundenschlaf aufschreckend &#8211; drauf zu schauen, ob es etwas Neues gibt.<\/p>\n<p>Wenn man dann ausnahmsweise mal sein eigenes Handy in der Eile zuhause hat liegen lassen, f\u00e4llt einem auf, wie seltsam das eigentlich ist &#8211; ohne gleich kulturpessimistisch digitalen Fortschritt mit gesellschaftlichem Werteverfall gleichsetzen zu wollen.<\/p>\n<p>Ich frage mich, wie die Leute wohl dreinschauen w\u00fcrden, wenn man zumindest denjenigen, der einem direkt gegen\u00fcber sitzt, ganz h\u00f6flich &#8211; aber auch etwas irritiert &#8211; bitten w\u00fcrde, dies zu unterlassen (und dabei so zu tun, als w\u00e4re er der einzige). Nat\u00fcrlich nicht, weil man sich tats\u00e4chlich gest\u00f6rt f\u00fchlt, sondern einzig um zu schauen, wie die Mitreisenden reagieren w\u00fcrden &#8211; um das v\u00f6llige Unverst\u00e4ndnis zu genie\u00dfen, dass sich wahrscheinlich dann auf den Gesichtern abzeichnen w\u00fcrde. Und um dann ganz h\u00f6flich und korrekt darauf aufmerksam zu machen, dass das Telefonieren in der Bahn laut der Piktogramme auf der T\u00fcr eigentlich gar nicht erlaubt ist. (Dass es sich auf dem Piktogramm um ein Mobiltelefon der Generation C-Netz handelt, m\u00fcssen wir ja keinem verraten). Wahrscheinlich w\u00fcrden die Leute einen erst einmal von oben bis unten mustern und nach einem Augenblick der Verwirrung einordnen in die Reihe derer, die sich verstrahlt und manipuliert glauben.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich noch an die Zeit, als man in Bussen und in der Bahn, besonders in Regionalbahnen, vom Schaffner regelrecht vermahnt wurde, wenn man mit dem Handy telefonierte. So \u00e4hnlich wie in Flugzeugen, in Krankenh\u00e4usern oder an Tankstellen. Man machte sich damals Gedanken wegen der Strahlung in geschlossenen Fahrzeugen und wegen der Explosionsgefahr; Zuwiderhandelnde ernteten b\u00f6se, vorwurfsvolle Blicke, als wolle man das Wohl der Gemeinschaft leichtsinnig, ja fahrl\u00e4ssig aufs Spiel setzen. Von der Blut-Hirn-Schranke war da die Rede und von allen m\u00f6glichen Gefahren, die vom Mobilfunk auf die Gesundheit und auf allerlei technisches Ger\u00e4t auszugehen schienen. Telefonieren in Bahnen war so unh\u00f6flich wie die F\u00fc\u00dfe auf den Sitz zu legen oder den Nachbarn vollzukr\u00fcmeln. Es galt mehr oder weniger als gef\u00e4hrlich. Und so lange ist das jetzt auch noch nicht her.<\/p>\n<p>Heute scheint das niemanden mehr zu kratzen. Und manchmal frage ich mich: zurecht? Oder haben wir uns einfach daran gew\u00f6hnt, Informationen \u00fcberall und in jeder Form digital verf\u00fcgbar zu haben und machen uns deshalb keine Gedanken mehr? Weil es ja alle machen? Weil man bisher noch keine nachteiligen Dinge nachgewiesen hat? Oder weil die Blut-Hirn-Schranke schon l\u00e4ngst \u00fcberwunden ist? Mmh. So richtig sicher bin ich mir da manchmal nicht. Bequem ist es auf jeden Fall. Und man gew\u00f6hnt sich so schnell daran. Wie ein Bekannter, der letztens jemanden treffen wollte, dann aber sein Handy verga\u00df und leicht hilflos und panisch um sich schauend ausrief: &#8222;Wie war das nochmal? Wie haben wir das nochmal fr\u00fcher gemacht?!&#8220;<\/p>\n<p>Ich kann das ja in einem geeigneten Moment mal probieren. Vielleicht wenn die Bahn nicht ganz so voll ist. Wenn ich das n\u00e4chste Mal mein Handy, mein Diensthandy, mein Tablet und meinen iPod zuhause vergessen habe. Und wenn mir dann jemand bl\u00f6d kommt, stecke ich mir ganz selbstverst\u00e4ndlich ne Kippe an. Mal schauen, was dann passiert. Zu schade nur, dass ich nicht rauche. E-Zigaretten sind ja wohl nicht dasselbe, habe ich mir sagen lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ich heutzutage mit der Regionalbahn fahre, f\u00e4llt mir doch auf, dass es kaum noch jemanden gibt, der Zeitung liest. Ich meine eine Zeitung aus Papier. 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